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Hans Suter: Schweiz

Berner Affären

Berner Affären

Der gerade (wir befinden uns im Mai 2016) bei emons: erschienene Kriminalroman Berner Affären ist nach Basler Farben der zweite um den Ermittler Max Freuler. Gerade einmal 176 Seiten zählt das Buch. Doch ist das genug, um sich ein Bild vom Können des Autors zu verschaffen, der eigentlich auf ganz anderem Gebiet zu Hause ist. Ich empfehle in diesem Fall dringend den Besuch seiner Website www.satiren.ch, der Name der Website ist Programm: Hans Sutor ist Satiriker und wurde 1940 geboren. Das Hervorheben seines Geburtsjahres ist für mich von Bedeutung. Dieser Mann ist vier Jahre älter als ich und er schreibt mit einer geradezu jugendlich anmutenden Leichtigkeit (kann man das so sagen?), dass ich ihn ein wenig beneide.
Der Klappentext beschränkt sich auf diese Zeilen: „Hans Suter wurde 1940 geboren. Der Hörspielautor war jahrelang mit Satireprogrammen unterwegs. Ausserdem verfasste er Dutzende von Satiren, die auch in Buchform erschienen sind. Im April 2015 erschien sein Roman  »Unten am See« im Limmat-Verlag.“
Der Autor, Kabarettist, Satiriker und vielfache Preisträger hat beim Schreiben von Kriminalliteratur eine eigene Sicht der Dinge.
Natürlich geht es auch in Berner Affären um Mord und Totschlag. Doch Hans Suter bietet noch ein wenig mehr.
Da ist zunächst die Art und Weise, er die Liebelei zwischen dem verheirateten Nationalrat Paul Feierabend und der nicht verheirateten Eva Keller aus dem gegnerischen Parteilager beschreibt. Es folgt ein nächtlicher Überfall auf den nicht als unsympathisch beschriebenen Paul und der zeitgleiche Tod eines Jugendlichen. Die beiden Geschehnisse lassen den Überfallenen ins Grübeln kommen. Gibt es zwischen den beiden Vorkommnissen einen Zusammenhang, trägt er etwa an dem Tod des jungen Mannes eine Mitschuld?
Ermittler und Protagonist der Handlung ist Max Freuler. Acht Jahre vor seiner Pensionierung hat er sich von der Staatsanwaltschaft Basel zur Berner Kriminalpolizei versetzen lassen. Praktische Überlegungen haben den bei seiner ehemaligen Dienststelle beliebten Freuler (so wird er stets genannt) zu diesem Schritt bewogen. Nach dem Tod seines Vaters zieht er mit seiner Frau in das große Elternhaus und wohnt jetzt mit Mutter und Frau unter einem Dach. Ab sofort hat er mehr den Status eines Sohnes als den eines Ehemannes. Der Autor nimmt sich Zeit, das Auskommen Freulers mit zwei Frauen, seinen Umgang mit dem Laster des Rauchens und die Wiedersehensfreude des in seine Heimatstadt Zurückgekehrten detailliert zu beschreiben.
Freuler ist von ruhiger Natur, geht gern zu Fuß und leistet solide Polizeiarbeit. Lange Berufs- und Lebenserfahrung bestimmen sein Handeln. Er rennt nicht, er geht. Er hat seine eigene Sicht der Dinge, delegiert wenig und verschafft sich gern selbst einen Eindruck von beteiligten und betroffenen Menschen. Seine kleinen philosophischen Ausflüge, die er sich hin und wieder als Anmerkung erlaubt, werden von seinen Gesprächspartnern in der Hauptwache beinahe als Gefühlsausbrüche bewertet.
Berner Affären beweist für mich ein weiteres Mal, welchen Anteil der behutsame Umgang mit der Sprache am Erfolg eines Krimis haben kann.  

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