Meine Kommissare

Marek Krajewski: Schlesien

Tod in Breslau

Tod in Breslau

Tod in Breslau. Ich habe lange überlegt, wie und an welcher Stelle ich diesen Krimi einordne.Und habe mich für Schlesien, das heutige Polen, entschieden. Diese Freiheit nehme ich mir. Warum, das kommt gleich.
Der Deutsche Taschenbuch Verlag schreibt: Marek Krajewski, 1966 geboren, ist Altphilologe und war Dozent an der Universität Wroclaw (vormals Breslau). Seine höchst erfolgreichen Krimis mit dem Antihelden Eberhard Mock wurden in Polen mit dem Paszport Polityki-Preis und als Krimi des Jahres ausgezeichnet und in Deutschland auf die Krimi-Welt-Bestenliste gewählt.
Der Autor lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Wroclaw.
Wikipedia schreibt zu Marek Krajewski: „verbindet stilistische Elemente des Schauerromans mit denen der Krimis“. Genau. Schauerroman trifft es ganz genau. Ich habe lange gebraucht, dieses blutrünstige Werk in die Hand zu nehmen, mit der Folge, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen.
Auslösend für meine Neugier waren aber Ort und Zeit der Handlung: Breslau im Jahre 1933. Breslau liegt nur etwa 25 Kilometer von meinem Geburtsort Trebnitz entfernt. Die etwa 630.000 Einwohner zählende Stadt, 1933 waren es nur 5.000 weniger, zeigt sich heute in bemerkenswertem Zustand. Die aufwändig restaurierte Innenstadt lässt die einstige Pracht erahnen. Aus Erzählungen meiner Familie wusste ich von dem üppigen Leben wohlhabender Bürger und dem reichlichen Angebot an Vergnügungen zur damaligen Zeit. Denn Breslau war vor dem zweiten Weltkrieg aus heutiger Sicht die „Ausgeh-Hochburg“.
Zugegeben eine lange Einleitung. Doch dieser Regionalkrimi, der zugleich ein historischer ist, bietet eine ungewöhnlich dichte Handlung während einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen (die Bezeichnung fällt mir an dieser Stelle schwer) alles nehmen konnten was sie wollten und sich keiner vorstellen konnte, dass dieser Wahnsinn einmal ein Ende hat. Das Verlangen, sich zu vergnügen, war über alle Maßen ausgeprägt. Die Obrigkeit konnte über Recht und Ordnung bestimmen, wie es ihr beliebte.  
Nur wem dieses Szenario bewusst ist, kann das höchst ungewöhnlicheVerhaltensmuster des Kriminalinspektors Eberhard Mock nachvollziehen. Man kann diesen Mock nur als exzessiv beschreiben. Mir fiel es beim Lesen sehr schwer, Verständnis für manche seiner Handlungen aufzubringen. Andererseits passt er genau in diese Zeit.  
Meine Meinung zum Buch: Prall, satt, schlimm und gleichzeitig lesenswert.  Deshalb habe ich mir auch schon den nächsten Band Der Kalenderblattmörder besorgt. Sechs Breslau-Krimis erschienen seit 2002 (deutsche Erstausgabe bei btb). Die anderen sind sämtlich bei dtv erhältlich.

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