Meine Kommissare

Bücherregal: Meine Empfehlungen

Hier finden Sie Hinweise zu weiteren Krimis. Hier steht nicht in erster Linie der regionale Bezug im Vordergrund. Dafür haben sie bei mir in anderer Hinsicht einen so starken Eindruck hinterlassen, dass ich ihnen eine eigene Rubrik widme: "Meine Empfehlungen".

 

Die besten Kurzkrimis von der Waterkant

Die besten Kurzkrimis von der Waterkant

Die besten Kurzkrimis von der Waterkant heißt diese Sammlung von 21 Geschichten. Und es stimmt. Lieber Leser, hier finden sie zahlreiche Varianten von Heimtücke, Hinterlist, Mord, Totschlag, Täuschung und Enttäuschung. Diese Autoren beherrschen die Fertigkeit, auf nur wenigen Seiten Stimmungen und Spannung aufzubauen, den Leser auf eine falsche Fährte zu locken und mit Überraschungsmomenten aufzuwarten. Wohlgemerkt, das alles auf nur wenigen Seiten.
Und als Krönung gibt es Holsteinische MORDtadella von Edelhard Callies. Kulinarisch eigentlich eher eine Vorspeise, hier, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Nachschlag. Und was für einer.
Welcher Beitrag hat mir am besten gefallen?
Das ist, wie so vieles, Geschmacksache. Ich mag klare Handlungsabläufe. Also zum Beispiel Baby, gleich die erste Geschichte von Heike Denzau.
Stefanie Viereck bringt den Leser mit ihrer Geschichte Christian und Andersen in einen permanenten Stimmungswechsel. Nein, diesen Schluss konnte ich mir wirklich nicht vorstellen.
Mommsens Menü von Dirk Fricke erweist sich tatsächlich als ein sehr anspruchsvolles Gericht.
Gerd Kramer hat sich mit Der Klang der Küste etwas ganz Ausgefallenes ausgedacht. Verblüffend und spannend. Und, wie schon gesagt, das Ganze auf kurzer Strecke.
Nur ein Fahrrad von Claudia Wenk verknüpft damals und heute. Lautlos, ruhig und voller Anspannung.
Pippis Papa von Regina Schleheck fängt so süß und niedlich an. So harmlos und fast reizend. Tja, und gibt es einen großen Knall. Leser, freut auch darauf.
Ganze sechs Seiten braucht Brigitte Karin Becker mit Der Schrei der Silbermöwe, um mir eine handfeste und gelungene Überraschung zu bieten.
Zayneb Al-Hashimy hat sich mit Trula und Trent etwa besonderes einfallen lassen, um Spannung im wahrsten Sinne des Wortes stufenweise aufzubauen. Ach, es ist so menschlich und das Ende so verständlich.
Beim nächsten Mann wird alles anders. Mit dieser Geschichte hat mich Anne Kersgaard über viele Seiten gekonnt hinters Licht geführt. Große Klasse.
In Remmels, einem etwa 430 Einwohner zählenden Ort an der B 77, geschieht ein Mord. Warum so viele Einwohner betroffen sind, beschreibt Klaus Stickelbroeck ganz genau in Ein Päckchen Tod.
Eine Überraschung ganz besonderer Art ist Martin Spiegelberg mit Falscher Haase gelungen. Kurz ist nicht gleichbedeutend mit schnell, lieber Leser. Deshalb mein Rat in diesem Fall: langsam lesen.
Zu verdanken ist diese Auslese von 21 Geschichten von insgesamt mehr als 300 Einsendungen der Zusammenarbeit des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z) und dem Itzehoer Festival KrimiNordica. Alle zwei Jahre werden die besten Kurzkrimis zwischen Nord- und Ostsee gesucht. Das Buch erschien im Sommer 2015 im Ellert & Richter Verlag. Ich empfehle es nicht nur den Krimifans sondern auch denen, die es werden wollen und den "Einstieg" suchen. 

Lieneke Dijkzeul

Lieneke Dijkzeul

Niederlande, einfach nur Niederlande, ohne weitere Ortsangaben. Mit der fehlenden Festlegung auf eine bestimmte Region hat es sich die Autorin etwas schwerer und dem Leser etwas leichter gemacht. Lieneke Dijkzeul muss also einen Handlungsablauf bieten, der den Leser bis zur dreihundertachtzehnten Seite fesselt. 
Sie kann nicht Ablenken durch blumige Beschreibung des Tatort-Umfeldes. Sie beschreibt ausschließlich die Menschen und ihr Handeln. Und sie beschreibt vortrefflich Gedanken, Gefühle und Handlungsabläufe. 
Gewissermaßen als Debüt in ihrem Anfang 2015 bei dtv erschienenen Buch In der Stille der Tod bietet sie dem Leser eine zehn Seiten lange Beschreibung über die Beseitigung eines Toten. Es ist eher die technische Beschreibung der Entsorgung eines toten Mannes durch eine deutlich kleinere und somit schwächere Frau. Es geht auf diesen ersten Seiten nicht um die Todesumstände oder irgendwelche Begleitumstände  – Lieneke Dijkzeuls Schilderung konzentriert sich auf das Finden einer Lösung: Wie schaffe ich unbeobachtet diesen Toten aus dem Haus und wie gelingt es mir, alle Spuren zu verwischen?  
Ist diese Frau auch die Mörderin? 
Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die Autorin überlässt weitere Gedanken dem Leser.
Beim Lesen dieser „Szene“ musste ich unwillkürlich an Stummfilme aus den dreißiger Jahren denken.   
Übrigens, diese Meisterin der Entsorgung schließt ihr sorgsames Handeln mit einer Vermissten-Meldung bei der Polizei ab. Soviel sei verraten.
Die Autorin beschreibt alle Figuren mit der gleichen Sorgfalt. Das Ekel genauso wie den Penner. Diesem verleiht sie, vielleicht zum Trost, liebenswerte Wesenszüge und stellt ihn auf eine Stufe mit den Besitzenden.
Die Spannungen innerhalb der Unternehmer-Familie Verkallen werden beschrieben. Zu dieser Familie gehören die Bestimmenden, die ewigen Dulder und natürlich auch die Verlierer. Gut gezeichnet sind alle Beteiligten. Die Autorin lässt den Leser mitfühlen aber nicht mitleiden. 
Lieneke Dijkzeul hat gründlich recherchiert und sie versteht es, ihr Wissen auch an den Leser weiterzugeben.
Da es sich bei diesem Buch eindeutig um einen Krimi handelt, fehlen noch weitere Zutaten, nämlich die Ermittler. 
Protagonisten sind der Inspecteur Paul Vegter und sein Kollege, der Ermittlungsbeamte  Sjoerd Talsma. Vegter und Talsma, nur so werden die beiden stets genannt, sind ein gut aufeinander eingespieltes Team. Solide Polizisten, Profis, die unbeirrt ihre Spuren verfolgen. Auch was die Polizeiarbeit angeht, hat Lieneke Dijkzeul gut recherchiert. Die Verhöre werden unnachgiebig geführt, bis zur Grenze der Belastung des Tatverdächtigen. Dieser verbalen „Kriegserklärung“ gegenüber einem vermeintlichen Täter, zum Zwecke der Verbrechensaufklärung, widmet die Autorin viel Bedeutung. Die beiden Beamten sind nicht „cool“ sondern einfach nur genau bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben. 
Dem Privatleben der beiden Inspecteure misst die Autorin gerade so viel Aufmerksamkeit, dass die beiden Personen vorstellbar werden. Ich empfehle sehr sorgfältiges Lesen. Denn Lieneke Dijkzeul versteht es glänzend, wichtige Informationen in kleine Anmerkungen zu „verpacken“.  

Mit In der Stille der Tod ist Lieneke Dijkzeul ohne Zweifel ein auf das Wesentliche reduzierter Krimi mit literarischem Anspruch gelungen. Dass ihr auch noch andere Themen wichtig sind, macht sie auf eindringliche Art und Weise deutlich.  

„Lieneke Dijkzeul hat bereits mehrere Romane veröffentlicht und gilt als eine der herausragenden Krimiautorinnen der Niederlande. Für Vor dem Regen kommt der Tod (dtv 214II) wurde sie für den „Goeden Stror“, die bedeutendste niederländische Krimi-Auszeichnung nominiert.“ So wird die Autorin im Klappentext beschrieben. Mehr erfährt der Leser auf ihrer Website www.lienekedijkzeul.nl

Sie kriegen jeden

Sie kriegen jeden

Gerade erschienen, nämlich Anfang 2015 bei dtv, sind die von Sandra Lüpkes und Jürgen Kehrer herausgegebenen 21 Kurzkrimis mit dem Titel Sie kriegen jeden.
Wer sich also nicht nur für einen Autor oder eine Autorin entscheiden kann, hat sie hier (fast) alle. Friedrich Ani, Oliver Bottini, Rita Falk, Lucie Flebbe, Doris Gercke, Georg Haderer, Jürgen Kehrer, Gisa Klönne, Ralf Kramp, Tatjana Kruse, Volker Kutscher, Inge Löhnig, Sandra Lüpkes, Susanne Mischke, Gisa Pauly, Jutta Profijt, Peter Probst, Thomas Raab, Silvia Roth, Michael Theurillat und Klaus-Peter Wolf. Kurzkrimis haben ihren eigenen Reiz. Ich habe mich erst spät mit ihnen angefreundet, weil ich die „Langversionen" stets bevorzugte. Da es aber nicht jedem liegt und nicht jeder die Zeit hat bzw. Bereitschaft mitbringt, innerhalb weniger Tage ein Buch „durchzulesen“, gibt es Kurzgeschichten und Kurzkrimis. Und dann sind da noch die Leser, die Abwechslung lieben oder auf diesem Wege ihren ganz persönlichen Lieblingsautor finden wollen.
Deutlich wird in diesem gut 340 Seiten dicken Buch die Fülle an höchst unterschiedlichen Schreibstilen. Von klassisch bis skurril. Von komisch bis ernst. Doch stets stehen der Mensch und seine Neigung zum Kriminellen im Vordergrund.
Komplettiert wird das Angebot an Absurditäten um die Beschreibung der jeweiligen Ermittler. Da treten mitunter sehr, sehr menschliche Wesenszüge zu Tage. Sind wir Leser eigentlich anders?
Natürlich lese ich zuerst die Geschichten, deren Autoren mir bekannt sind. Ich gehöre auch zu denen, die mit der Lektüre der Tageszeitung an beliebiger Stelle anfangen können. Die erste Seite ist mir genauso lieb wie die letzte.
Den Anfang machte bei mir Rita Falk mit ihrem Ermittler Franz Eberhofer und Ein Bayer in Gelsenkirchen. Neu entdeckt habe Jutta Profijt. Sie hat mit ihrer gerade einmal zehn Seiten langen Geschichte Nie wieder Alkohol! ihr Debüt abgegeben – kurz und klasse.  Tatjana Kruse habe ich erst vor wenigen Wochen während einer Lesung in Hamburg erlebt. Ich hatte also auch noch ihre Stimme im Kopf, als ich Reinheitsgebot für Leichen las. Volker Kutscher gebührt Anerkennung, weil er seine Geschichte Durchmarsch in das Berlin der späten dreißiger Jahre gelegt hat. Der ungeklärte Tod eines SA-Scharführers steht im Mittelpunkt. Große Lese-Klasse. 

So, das muss an Anregungen genügen. Das waren eben meine „Lieblinge“, Sie finden unter den 21 bestimmt ganz andere. 

Ein tödlicher Wettlauf

Ein tödlicher Wettlauf

Das typische an Regionalkrimis ist nun mal, dass sich das Tatort-Umfeld auf eine (!) ganz bestimmte Region beschränkt. Susanne Mayer-Peters bietet mit Ein tödlicher Wettlauf in dieser Hinsicht mehr, nämlich drei Regionen: Hamburg, Wien und ein Kreuzfahrtschiff. Alle drei Schauplätze sind untrennbar mit der Handlung verbunden und werden von der Autorin detailliert beschrieben.
Von mir erhält Susanne Mayer-Peters doppelte Anerkennung. Erstens für die gelungene Beschreibung der drei Tatorte und zweitens für die Geschichte. Das ist eine, die das Leben schreibt. Sie klingt zunächst ungewöhnlich, wird aber zunehmend vorstellbar, wenn man die tägliche Berichterstattung über Leben und Tod in einer Großstadt verfolgt. Also das, was wir zuweilen als „ganz normalen Wahnsinn“ bezeichnen.
Akteure sind die reiche Tante Dora Schönfeldt aus Wien und ihr nicht reicher Neffe Bernd Bernstein aus Hamburg. Der ist nicht verheiratet, nicht unattraktiv und überhaupt nicht abgeneigt, unrechten Dingen auf die Spur zu kommen. Bernstein, so wird er stets genannt, will nicht Detektiv oder Polizei spielen, er möchte seiner Tante helfen und fühlt sich als Mann und deutlich jüngerer Mensch dazu eher in der Lage und auch verpflichtet.
Bernstein ist zwar nicht auf den Kopf gefallen, aber manchmal dauert es eine ganze Weile, bis er die richtigen Schlüsse zieht. Es zeigt sich aber, dass er im entscheidenden Moment genau das Richtige tut und handelt.
Etwas romanhaft (ein anderes Wort fällt mir dazu nicht ein) wird die Handlung durch den Stellenwert, den die Autorin der Beschreibung der Familie von Tante und Neffe zugesteht. Das gehört aber der Vollständigkeit halber dazu, sonst würde die Logik zum Beginn der Geschichte fehlen.    
Es wird deutlich, dass sich Susanne Mayer-Peter in Hamburg, in Wien und auf einem Kreuzfahrtschiff auskennt. Klare Beschreibungen von Orten, die für den ortskundigen Leser nachvollziehbar sind, machen aus dem Buch einen echten Krimi.
„Susanne Mayer-Peter ist promovierte Politikwissenschaftlerin und hat als Redakteurin für die Deutsche Presse-Agentur (dpa) in Hamburg und Kiel gearbeitet. Nach Aufenthalten in Moskau und Wien kehrte sie 1983 nach Hamburg zurück, wo sie lange Zeit das Ressort Landespolitik beim NDR Hörfunk leitete. Bereits von ihr im Ellert & Richter Verlag erschienen ist Das Mahl. Tod im Hamburger Rathaus, ihr erster Roman. „ So steht es im Klappentext des 2014 im Ellert & Richter Verlag erschienenen Buches.
Ich kann mir gut vorstellen, Bernd Bernstein zu einer wiederkehrenden Figur zu entwickeln. Voraussetzung wäre natürlich, dass die Autorin weiterhin Lust hat zu schreiben.  

Dunkler als der Tod

Dunkler als der Tod

Dem Vorwurf „immer nur über deutsche Krimis“ zu berichten wollte ich mich nicht länger aussetzen. Mein Hinweis, dass auf meiner Website auch Bücher aus dem europäischen Ausland zu finden sind, wird stets als schwache Gegenwehr bewertet. 
Deshalb habe ich mir Dunkler als der Tod gekauft. Die Handlung spielt auf Neuseeland. Das liegt nun richtig weit weg und hat mich dazu bewogen, mich zu diesem Teil der Welt ein wenig schlauer zu machen. 
Das Buch von Donna Malane erschien im November 2014 bei dtv premium. Die Autorin ist "Fernsehproduzentin und Drehbuchautorin und wurde für ihre Arbeit bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Sie lebt in Auckland/Neuseeland.“ So steht es im Klappentext. 
Donna Malane schreibt flott und in der Ich-Form. Das verstärkt die Spannung, die übrigens bereits auf der zweiten Seite beginnt, und der Leser ist näher dran an der Handlung. 
Protagonistin ist die in Wellington lebende Privatermittlerin Diane Rowe, spezialisiert auf das Auffinden verschwundener Personen. Verglichen mit der Vita anderer Ermittler, egal ob männlich oder weiblich, entspricht ihr Privatleben der Norm: Sie hat einen großen Hund, der heißt in diesem Fall Wolf, einen Exmann, der heißt Sean und einen Freund namens Robbie. Diane und Wolf verstehen sich, Sean und Robbie auch. Diane und Robbie verstehen sich noch nicht oder nicht mehr ganz so gut, dass es zu einem gemeinsamen Zuhause reichen würde. Denn Robbie liebt Diane mehr als umgekehrt, das merkt man unter anderem daran, dass sich Diane  Rückenansichten anderer Männern immer noch sehr genau und sehr gern anschaut. 
Der Auftrag, den Karen Mackie der Ermittlerin erteilt, klingt zunächst einfach, dann etwas merkwürdig und entwickelt sich im Laufe der Handlung zu einem ungeheuerlichen Vorwurf. Jede Figur in der Handlung hat ihre Bedeutung. 
Die Autorin geht mit hoch sensiblen Themenfeldern im familiären Bereich sehr sorgsam um und lässt Kinder und Eltern selbst sprechen. Sie beschränkt sich nicht auf das Beschreiben von Situationen. Die nach meiner ersten Einschätzung „romanhafte Leichtigkeit“ am Anfang der Geschichte ist schnell verflogen. Man merkt, dass Donna Malane "Übung im Schreiben" hat, dass sie eine professionelle Schreiberin ist. Trotzdem wirkt ihr Stil nicht "glatt". Ich hoffe, dass ich mit diesen Formulierungen richtig verstanden werden. Ist mir nämlich wichtig.  Dunkler als der Tod ist eigentlich kein Männer-Krimi – trotzdem habe ich das Buch gern gelesen und wünsche mir eine Fortsetzung mit Diane Rowe als Privatermittlerin. 
Jetzt stelle ich mir die Frage, an welcher Stelle ich Dunkler als der Tod erwähne. Als Regionalkrimi oder einfach als empfehlenswerten Krimi aus Neuseeland.  

Nacht der Stachelschweine

Nacht der Stachelschweine

In meinem Buchregal fällt mein Blick auf die Krimis von Felicitas Mayall. Die habe ich doch glatt übersehen. Es auch schon einige Jahre her, seit ich die Kommissarin Laura Gottberg bei einem ihrer vielen Besuche in der Toskana begleitet habe.
Der rote Faden der Krimis von Felicitas Mayall ist stets der gleiche. Auf wunderbare Weise wird die perfekt italienisch sprechende Ermittlerin aus München von ihren Kollegen südlich der Alpen um Mithilfe bei der Aufklärung von Verbrechen angefordert.
Sie trifft dann regelmäßig auf den wunderbaren Commissario Guerrini, der gleichfalls eine gescheiterte Ehe hinter sich hat und eigentlich mit seinem Leben zufrieden ist. Eigentlich. Bis ihm dann auf dienstlichem Weg eine Frau wie Laura Gottberg begegnet.
So viele Zusammentreffen zweier höchst sympathischer Menschen in einer zauberhaften Urlaubsregion könnten leicht zum Überdruss beim Leser führen, wenn es Frau Mayall nicht immer wieder gelingen würde, den Leser zu fesseln. Auf höchst angenehme Weise.
Ich habe mir vorgenommen, zwei oder drei Bücher noch einmal zu lesen, um dann zu beurteilen, ob ich die Laura Gottberg-Reihe, die im Rowohlt Verlag erscheint, in meine Regionalkrimi-Reihe aufnehme.
Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich besitze alle Bücher aus der Laura Gottberg-Reihe und habe sie alle sehr gern gelesen. 

Der Tod der Donna Milena

Der Tod der Donna Milena

Die Handlung spielt Ende des 19. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf in den Bergen Sardiniens. Der Hinweis „Ein Sardinien-Krimi“ auf der ersten Umschlagseite ist nur allzu richtig und auch die Akteure, allen voran der Einbalsamierer Efisio Marini, werden sorgfältig beschrieben. 
„Dieser Efisio Marini (1835 in Cagliari geboren und 1900 in Neapel gestorben) konnte Leichen so aufbereiten, dass sie schön wie Marmorstatuen aussehen“.  
Diesen Hinweis fand ich bei Bücherrezensionen, www.buecherrezensionen.org.  
Das bei Piper 2005 erschienene Buch hat es aber bei mir doch nicht zum Regionalkrimi „gebracht“. Bis auf wenige Hauptorte war die Region nicht auffindbar. Schade. Eine Empfehlung zum Lesen hat das Buch aber verdient. 
Giorgio Todde hat übrigens noch weitere Krimis um die historisch wahre Figur des Arztes und Einbalsamierers Efisio Marini geschrieben. 

Fragen Sie den Papagei

Fragen Sie den Papagei

Es ist wirklicher Männer-Krimi. Nein, das ist weder Diskriminierung noch Ausgrenzung. Lesen Sie die Bücher von Richard Stark, verehrte Leserinnen und Sie werden mir recht geben. Vierundzwanzig Krimis um die Figur des Ganoven Parker, einfach nur Parker, das genügt, hat Donald Edwin Westlake unter seinem Pseudonym Richard Stark geschrieben. Sie erschienen zwischen 1962 und 2008. Ich empfehle Ihnen dringend den Besuch der Website www.richard-stark.de.
Nur so viel: Parker ist ein beinharter Berufskrimineller und verdient sich seinen Lebensunterhalt durch regelmäßiges Ausleben seiner kriminellen Energie.
Das macht er so erfolgreich, dass er auch seine Freundin Claire davon ernähren kann. Die beiden leben unauffällig, wie es sich für diesen Berufsstand zwangsläufig gehört, in einem versteckten ländlichen Winkel, da wo New York, New Jersey und Pennsylvania zusammenstoßen.  
Parker ist wirklich kein fieser Typ und der Leser ertappt sich dabei, wie er diesem Mann bei seinen Raubzügen die Daumen drückt. Schließlich will er ja noch weitere Abenteuer von Parker miterleben.
Die Bände erscheinen bei dtv. 

Schwarze Chronik einer Weltstadt

Schwarze Chronik einer Weltstadt

Die knapp 500 Seiten dicke Hamburger Kriminalgeschichte 1919 bis 1945 fand ich bei einem kleinen Stand für gebrauchte Bücher auf dem Blankeneser Wochenmarkt. Für nur fünfzehn Euro konnte ich eine Sammlung wahrer Kriminalfälle erwerben. Geschrieben von Helmut Ebeling, der 1979 als Kriminalhauptkommissar in den Ruhestand ging.
Bereits das Lesen der Überschriften, die zu den einzelnen Geschichten gehören, bereitet mir Vergnügen: „Das Volk will keine Sülze“, „Eine Flasche Chloroform für die Generalin“, „Der Lord von Barmbek – die Lebensgeschichte eines Einbrecherkönigs“, „Ernst Hannack – Geschichte eines Räubers“ usw.
Alles wahr. Es fehlt der übliche Hinweis, dass Handlung und Personen frei erfunden sind. Dies ist kein Roman. Dies ist bzw. war Realität. 
Ich hätte Glück gehabt, dieses Buch gefunden zu haben, sagen Sie? So etwas findet man nur selten?
Vorsichtshalber habe ich eben die Website von www.ZVAB.com besucht. Zwanzig Exemplare werden dort heute angeboten. Zu ganz erschwinglichen Preisen.

 

Der Seele dunkle Seite

Der Seele dunkle Seite

So ein gutes Buch und dann so wenig Informationen zum Autor: „ Christian Kraus, geboren 1971. Der promovierte Arzt arbeitet in Hamburg als  Psychiater und Psychotherapeut.“ Mehr steht nicht hinten im Klappentext. Sicher war dies der Wunsch des praktizierenden Arztes und dann ist die Kürze zu verstehen. 
Es ist der einzige Roman, den dieser Autor geschrieben hat und der 2010 bei Ellert & Richter erschien. Ein „Büchlein“ mit gerade einmal 192 Seiten aber von großem Eindruck auf den Leser. Man muss schon sehr abgeklärt sein, um nicht gefesselt zu werden. 
In diesem Fall kann ich mich dem Klappentext auf der Rückseite nur anschließen: „ Ein sadistischer Serienmörder hält Hamburg in Atem.“ Protagonist der Handlung ist der Gerichtspsychiater Jan Decker, der von der Gerichtsmedizinerin Stephanie Pohlmann um Hilfe gebeten wird. Stephanie, sie und Jan Decker gehen rasch zum „du“ über, folgt wiederum dem Hilferuf eines ihr bekannten Kommissars. Dieser ist bei der Mordkommission und war an den Ermittlungen zum Mord einer Tänzerin beteiligt. Bis die Staatsanwalt angeordnet hat, die Ermittlungen einzustellen und zwar gegen die ausdrückliche Empfehlung der Mordkommission. 
Mit Verlaub: Das stinkt doch gewaltig.
Zum Glück kennt der Kommissar Stephanie und Stephanie kennt Jan und Jan hilft.
Der Leser wird aufgeklärt über den Unterschied eines Psychiaters und eines Psychologen und blickt zusammen mit Jan Decker in menschliche Abgründe. Auf solche Abgründe stoßen die Ermittler auch bei ihren Recherchen in der Innenbehörde.
Das muss als Anreiz zum Lesen genügen. 
Die Buchempfehlung steht unter Peters Fundgrube, weil ich mich schwer damit tue, Der Seele dunke Seite als Regionalkrimi einzuordnen. 
Die Handlung spielt in Hamburg, es werden viele Plätze gut und genau beschrieben – es ist aber in erster Linie ein Thriller, und zwar ein richtig guter. Diesen Anspruch möchte ich nicht schmälern.  

Tatort Ammersee

Tatort Ammersee

Diese Kurzgeschichten gehören unbedingt hierher. Sie zeigen die Vielfalt mancher Autoren - sie können nicht nur "lang" sondern auch "kurz". Sabine Thomas ist die Herausgeberin dieser Anthologie, für die sie aber auch als Autorin zwei Stories beigesteuert hat. In dem Buch finden Sie Geschichten von Michael Rossié, Harry Luck, Jörg Maurer, Nicola Förg, Sabine Thomas, Angela Eßer, -ky (alias Horst Bostzky) und Jochen Senf.  
"Sabine Thomas ist Autorin, Fotografin und Initiatorin des Krimifestival München“. So steht es im Klappentext des 2009 im Gmeiner-Verlag erschienenen Buches. Sie lebt in Herrsching am Ammersee. Und sie ist Herausgeberin des 134 Seiten dünnen und gehaltvollen Bandes, der neun Kriminalgeschichten vom Ammersee enthält.  
Ich habe gelacht, gestaunt, gelacht, gestaunt …usw. 
Eine bemerkenswerte Mischung höchst unterschiedlicher Sichtweisen von Kriminalgeschichten und dazu mit hohem regionalem Anspruch. 
Meine Empfehlung geht an alle Krimileser, die Spannung mit Spaß verbinden, gern skurrile Gedankenverläufe verfolgen und noch staunen können.  
Dass nicht nur am Ammersee gemordet wird erfahren Sie auf der Website der Autorin www.sabinethomas.de. Blut fließt auch am Tegernsee und am Starnberger See. 

Das Regenmädchen

Das Regenmädchen

Ein Kriminalroman. Die Handlung spielt in einer Kleinstadt an der Donau. Mehr Informationen zu einem möglichen Tatort gibt es nicht. Es ist also kein Regionalkrimi. Schade. Denn das Buch ist höchst lesenswert und sehr zu empfehlen.  Ungewöhnlich hinsichtlich der Geschichte und der Sprache.
Flott geschrieben und spannend. Gefühl und Liebe in Variationen kommen auch nicht zu kurz. Auch deshalb ist das Buch lesenswert. Handlungen beschreibt die Autorin so lange, bis sie zu Ende sind – und hört nicht mittendrin auf. Das macht sie gut und unheimlich konsequent.
Das Regenmädchen ist der erste Roman für Erwachsene, den die 1965 in Linz geborene Autorin geschrieben hat. 
Erschienen ist es im List Taschenbuch Verlag

 

Die Entführung der Delia Wright

Die Entführung der Delia Wright

Ein Roman. Ein Geschichtsbuch. Ein Stück Geschichte dieser Stadt. Ein Krimi und ein „Regional“-Krimi im prächtigsten Sinn. Ich muss mit diesen Superlativen anfangen, um dem Anspruch dieses vierhundertfünfzig Seiten starken Buches gerecht zu werden.
Glauben Sie mir, lieber Leser, es wäre viel leichter, im Überschwang zu verharren und abenteuerliche Vergleiche zu anderen (egal, ob lebenden oder verstorbenen) Autoren anzustellen oder blumig zu pauschalieren. Das hätte Lyndsay Faye aber nicht verdient. Dieses Buch besitzt mehr als nur einen Hauch von Abenteuer. Es muss aus unserer heutigen Sicht auch abenteuerlich anmuten, wie sich das Leben 1846 in New York zugetragen hat. Es war hart, von Folklore keine Spur. Zu viele Menschen drängten sich in dieser Stadt, alle wollten am Leben teilhaben. Die Ansprüche der einen waren lächerlich gering und zugleich unerfüllbar, die Ansprüche anderer gewaltig und machbar.
Von Interessenkonflikten verschiedener Gruppen oder Gruppierungen zu sprechen, wäre zu schwach. Das Hauptinteresse der überwiegenden Zahl der Menschen bestand nur in dem Wunsch, in Würde zu leben. Mehr nicht.
Die Zahl der Arbeitssuchenden  und der Einwanderer stieg täglich. Kinderarbeit unter unwürdigsten Bedingungen war an der Tagesordnung und der Sklavenhandel wurde von offizieller Seite geduldet.
Die kurze Beschreibung der Zustände ist in diesem Fall notwendig, um die fast aussichtslose Situation zu begreifen, in der sich 1846 die gerade gegründete Polizei von New York befand. Und um zu verstehen, welche Männer für diese Posten nur in Frage kamen. Welche Anstrengungen sie unternehmen mussten, bei den Ärmsten als Helfer (die es bislang nicht gab) anerkannt zu werden und sich gegen politische Intrigen zu behaupten, ohne auf Dauer mutlos zu werden.
Timothy Wilde, knapp dreißig Jahre alt, und einer der Ersten, die sich den Stern aus Kupferblech ans Revers steckten, nachdem im vorangegangenen Sommer endlich eine offizielle Polizeitruppe in der Stadt gegründet worden war, ist mehr als nur der Protagonist dieser Geschichte. Er hat schon den Status eines Helden, so wie er sich für Recht und Ordnung einsetzt. Besorgt hatte ihm diese Arbeit als Polizist im Sechsten Bezirk in Manhattan sein einige Jahre älterer Bruder Valentine, seines Zeichens Polizei-Captain, Feuerwehrmann, korrupter Politiker, Frauenheld und einiges mehr. Erschrocken, lieber Leser? Valentine, stets nur Val genannt, ist tatsächlich mit ganzem Herzen Polizist. Wer ihn auf seiner Seite hat, weiß das zu schätzen. Die Gemeinsamkeiten der Brüder beschränken sich auf ihre Eltern und die bedingungslose Ausübung ihres Berufes.
Kommt es mal hart, und das kommt vor, stehen sie zueinander.
Spannend ist das Aufgabengebiet des Timothy Wilde. Sein „ Büro“ besteht zwar nur aus einem fensterlosen Raum, in dem gerade mal ein Schreibtisch und ein Stuhl Platz haben, er ist aber vom Streifendienst befreit und wird von seinem Vorgesetzten Chief Matsell als Sonderermittler für knifflige Fälle eingesetzt.
Zu der Figur des Mr Wilde gäbe es noch viel anzumerken, doch sollte man diese Details lieber im Zusammenhang mit der Geschichte erfahren.
Das Verbrechen, das es aufzuklären gilt, ist die Entführung einer jungen schwarzen Frau. Die Aufklärung hat nichts mit den üblichen polizeilichen Ermittlungen zu tun. Mr Wilde führt mal allein und mal zu zweit, mal mit Hilfe seines Bruders oder auch eines Kindes, Ermittlungen in einer Art und Weise durch, die zwar einem guten Zweck dienen, ihn selbst aber Kopf und Kragen kosten könnten.
Das große Thema der Handlung ist die Verfolgung freier schwarzer Bürger, die als Sklaven in die Südstaaten verkauft werden sollen. 
Die Autorin hat es geschafft, die Umstände und die Beteiligten anhand von Ereignissen lebendig und wirklichkeitsgetreu zu schildern. Ihre Anklage erhebt sie in Form der Erzählung. Sie versucht nie, nochmals zu steigern. Gefühle kommen mit großer Bescheidenheit und Zurückhaltung zum Ausdruck. Das verhilft dem Buch zu Glaubwürdigkeit.
Dieses Buch möchte ich gern denjenigen empfehlen, die bislang um „dieses“ Thema einen Bogen gemacht haben. Auch diese Geschichte gehört zur Geschichte dieser Stadt. 
Über die Autorin kann ich nur so viel sagen: „Lyndsay Faye gehört zu den authentischsten New Yorkern, nämlich denen, die woanders geboren wurden. Sie lebt in Manhattan. Mit der Romanserie um Timothy Wilde, den ersten Polizisten von New York, hat sie international Furore gemacht. Der erste Band der Reihe, der SPIEGEL-Bestseller Der Teufel von New York, wurde u.a. für den Edgar Award als „Best Novel“ nominiert.“
Wer des Englischen mächtig ist, dem empfehle ich ihre Website www.lyndsayfaye.com.                 

 

 

 

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