Meine Kommissare

H. Dieter Neumann: Schleswig-Holstein

Mord an der Förde

Mord an der Förde

Der Autor zeigt sich auch im zweiten Band um die Kommissarin Helene Christ als ausgezeichneter Kenner der Schlei-Region und der Flensburger Förde. Aus eigener Anschauung kann ich nur sagen, dass sich ein Besuch lohnt – aber man sollte sich Zeit nehmen. Diese Landschaft zwischen Angeln und Schwansen bietet unendlich viele reizvolle Seiten – nicht nur für Segler, sondern auch für Landratten.
Und an einer besonders schönen Stelle, nämlich im Zeltlager Weseby, wird ein Mord an einem jungen Mädchen verübt. Ein Tatverdächtiger wird schnell ausgemacht: Es ist der einige Jahre ältere Alim Tayfur, der aus einer syrischen Auswandererfamilie stammt. Der Verdacht erhärtet sich mit jeder Stunde, die der junge Mann unauffindbar bleibt. Besonders der kurz vor der Pensionierung stehende Hauptkommissar Edgar Schimmel ist von der Schuld des bis dahin gut beleumundeten jungen Mannes überzeugt. Nicht dagegen Kommissarin Helene Christ. Sie bringt zwar allerhand Verständnis auf für die Engstirnigkeit und Schrulligkeit ihres viel älteren Noch-Kollegen, aber irgendwann ist Schluss mit haltlosen Verdächtigungen.
H. Dieter Neumann sorgt dafür, dass der Leser in Vorurteilen geradezu baden kann. Fehlen halt nur noch die hieb- und stichfesten Beweise, dann sitzt der Mörder hinter Schloss und Riegel. Aber darum kümmern sich ja die Ermittler.
Und genau an diesem Punkt überrascht der Autor seine Leser mit einem Knall, anders kann ich diese Entwicklung nicht bezeichnen. Eigentlich ahnt man ein Szenario, das nicht so recht zu der Schlei-Idylle passen will. Das Unheimliche ist da, aber nicht greifbar. Bewundernswert, dass H. Dieter Neumann niemals „lauter“ wird. Er bleibt dabei, den Handlungsablauf nüchtern zu beschreiben und bewahrt die Ruhe. Damit baut er Spannung auf. Es knistert und zwar gewaltig.
Wer den ersten Band Die Tote von Kalkgrund gelesen hat, wird sich bei der Lektüre von Mord an der Förde verwundert die Augen reiben. Doch, es ist derselbe Autor.
Das oben erwähnte Zeltlager Weseby gibt es übrigens tatsächlich. Das gilt auch für die übrigen beschriebenen Plätze.

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